29.3.-3.4.2015 - Normandie

Unterwegs in der NormandieEine Reise zurück ins Jahr 1944 hatten wir vor. «Dienstag, 6. Juni 1944» versuchen zu verstehen, was da in der Normandie über die Bühne ging.

Am Morgen starten wir den TomTom mit dem Ziel Guérande. Das Wetter versprach trüb, kalt und nass zu werden. Die bevorstehenden 1036 Kilometer also anspruchsvoll. Zum Treffpunkt in Muttenz kommt LX mit 15 Minuten Verspätung, was dazu führte, dass die Batterie an Pirat’s Road King leer gesoffen war. Batterie zugänglich machen, überbrücken und wieder reisefertig zu werden führte zu einem 1-stündigen Verzug. Wir nahmen es locker und so blieben wir auch die ganze Reise lang. Nach knapp 12 Stunden erreichen wir unser Ziel, nachdem Pirat auf einer der letzten Kurven zum Hotel das Vorderrad auf einer Ölspur wegrutschte, er selbst als ehemaliger Judoka perfekt abrollte und die Harley auf den Sturzbügeln Funken schlug wie Wunderkerzen. Wir beziehen unsere Zimmer im «La Guérandière» um uns gleich auf zu machen, im «La Pierre Salée» zu Abend zu essen. Eine hervorragende Adresse und die Flasche Rotwein trug das ihre dazu bei, dass wir beide exzellent schliefen. Dies also unsere erste Etappe:

993.5 km, n/a

 

Am nächsten Morgen besuchten wir die Salzfelder von Guérande, wo bis heute in den Salzgärten zwischen Guérande und Atlantikküste Salz gewonnen wird. Das Fleur de Sel ist das Meersalz, das an heissen Tagen als dünne Schicht an der Wasseroberfläche ausfällt und abgeschöpft wird; das Salz, das aus den Teichen gewonnen wird, ist unreiner und billiger. Die Fahrt führt weiter zum «Le Grand Blockhaus de Batz-sur-Mer». Diese Bunkeranlage fällt erst spät, als auch Berlin im Osten fällt. So lange hielten sich die Deutschen hier. Auf der Weiterfahrt besuchen wir Saint-Nazaire. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg liess die Kriegsmarine in Saint-Nazaire einen U-Boot-Bunker errichten. Das Trockendock «Forme Joubert» der Werft Chantiers de Penhoët war mit einer Länge von 350 m und einer Breite von 50 m gross genug, um die deutschen Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse aufzunehmen. Ende März 1942 wurde das Dock durch das britische Kommandounternehmen Operation Chariot unbrauchbar gemacht. Nach der Invasion der Alliierten wurde Saint-Nazaire unter General Hans Junck von der 265. Infanteriedivision zur Festung ausgebaut. Die Westalliierten verzichteten auf eine gewaltsame Einnahme der Stadt, weil die Eroberung von Brest – deren Hafen ebenfalls zur Festung ausgebaut worden war – nur unter enormen Verlusten auf beiden Seiten möglich gewesen war, und nur einen unbrauchbaren zerstörten Hafen eingebracht hatte. Die deutsche Besatzung ergab sich am 11. Mai 1945, drei Tage nach dem Kriegsende in Europa. Nach so viel Geschichte fahren wir weiter nach Granville, wo wir am Abend das «Hôtel L’Arrivée» erreichen und wieder sehr gut verpflegt werden. Unser zweiter Tag:

322.4 km, n/a

Der dritte Tag bringt uns weiter zum Hotel «Les Fuchsias» in St. Vaast La Hougue. Dabei passieren wir noch die geschichtsträchtige Stadt Sainte-Mère-Église wo noch immer der Fallschirmjäger am Kirchturm hängt. Hier landeten die 82. und die 101. Luftlandedivisionen der Amerikaner und erlitten herbe Verluste. Der Wind (wir haben das auch gleich noch live erlebt…) verfrachtete die Fallschirmspringer mitten in die Stadt, wo diese bereits in der Luft abgeschossen wurden. Die WACO CG-4A-Segler schliesslich blieben oft in den vielen Hecken hängen und zerbarsten bei der Landung. Das Musée Airborne ist seinen Besuch wert. Der dritte Tag:

120.9 km, n/a

Am 4. Tag werden der Deutsche Friedhof von La Cambe (21222 Deutsche Soldaten), der Normandy American Cemetery (9387 Gräber) sowie der Utah- und der Omaha-Beach besucht. Leichtes Frösteln befällt uns, nicht nur wegen der eher kühlen Temperaturen. Am Abend fahren wir vor dem «Hôtel De France» in Isigny-sur-Mer ein. Da das Hotel rein äusserlich nicht den besten Eindruck macht, erkundigen wir uns im Städtchen in einer Wett-Bar, wo man hier denn wirklich gut essen könne. Die Auskunft des Chefs: Hôtel De France! So gut. Das Abendessen ein Gedicht und die Zimmer selbst sind ebenfalls sehr schön und geräumig. Am Abend entscheiden wir uns aufgrund noch schlechterer Wetterprognosen, bereits am Donnerstag die erste Etappe der Heimreise nach Beaune unter die Räder zu nehmen.

109.1 km, n/a

Am 5. Tag also die Überbrückungs-Etappe zum «Hôtel de France» (nomen est omen) in Beaune. Kurz nach der Abfahrt, auf der Autobahn, verliert der Road Captain Pirat seinen Kumpel. Der Grund: Ölspur auf der Autobahn! Die Fuhre von LX beginnt urplötzlich zu schlingern, halt wie auf Öl. Mit viel Mühe und dank gütiger Mithilfe von unzähligen Schutzengeln gelingt es, den Sturz zu verhindern. Weiche Knie bleiben allemal und am Ziel, nach etwas über 600 Kilometer wird dann an der Bar gebührend auf den glücklichen Verlauf der Tagesfahrt angestossen. Dies, weil es Pirat bei der Autobahnabfahrt auch noch bei der „Péage“ die Karte reingesogen hatte. So ein Pech, wir geduldeten uns ca. 30 Minuten, bis die Dame von der Technik den Zugang öffnete und die Karte seinem Besitzer wieder übergeben konnte. Am Abend verpflegen wir ein prima Fondue Bourguignonne, begleitet von einer netten Flasche Rotwein. Der fünfte Tag:

597.1 km, n/a

Am Freitag scheint schon bald die Sonne und wir pöttern breitgrinsmässig den heimischen Gefilden zu.

292.6 km, n/a

Bei prächtigstem Wetter kann bereits das Moped wieder poliert werden. Ein toller Abschluss auf den letzten der insgesammt 2530 Kilometern. Nur einen Tag später regnet es durch. Gut geplant! Und Fotos gibt es hier.