4.-8.09.2017 - Französiche Alpen

Französische AlpenHaben zwei Lust auf Kurven, so werden diese gesucht - und gefunden.

Geplant war der Trip eigentlich schon im Juni. Geschäftlich bedingt erfolgte die Verschiebung auf die erste Septemberwoche, was sich wettermässig eindeutig als geradezu ideal erweisen sollte.
Am ersten Tag galt es, das für uns nicht mehr zuviele neue Strecken aufweisende Mittelland rassig hinter uns zu bringen, um dann bei Flamatt die Autobahn zu verlassen. Über kurvenreiche Strecken steuern wir die französischen Alpen an. Bei La Lécherette setzten wir den Blinker rechts, um über den Hongrin zu pöttern. Unsere Armee setzte diesem Unterfangen gleich ein Ende. Die Schiesswache verunmöglichte die Weiterfahrt. So gelangen wir schliesslich auf den Col des Mosses (1445 M.ü.M.), wo wir etwas kleines zu Mittag assen. Durch die Weinberge bei Aigle fahren wir nach Monthey um in der Folge nach Morgins hochzuschrauben. Wir passieren den Pas de Morgins (1371 M.ü.M.) und erreichen bald den Col du Corbier (1235 M.ü.M.). Bald befinden wir uns auf der Route des Grandes Alpes. Wir werden uns im Verlauf der Tour immer mal wieder auf diese Strasse zurück bewegen. Es folgt der Col du Ranfolly (1656 M.ü.M.), anschliessend passieren wir Megève, wo aber noch nicht ans Skifahren gedacht werden kann. Deutlich zu warm. In Saint-Nicolas-la-Chapelle finden wir unsere erste Bleibe im «Châlet Du Vivier», wo wir freudig empfangen und die Mopeds in die freigeräumte Garage gewiesen werden. Das nachfolgende Bier auf der Sonnenterrasse macht uns zusätzlich noch etwas müde, aber für das Nachtessen sind wir dann wieder voll da. Siehe auch die entsprechenden Bilder in der Fotogalerie! Die gefahrene Route lässt sich nachstehend präzise nach(er-)fahren. Ein Hinweis in diesem Zusammenhang: Mauszeiger in die Karte setzen und mittels Mausrad rein- und wieder rauszoomen.

 

344.1 km, 10:24:21

Am nächsten Morgen begrüsst uns die Sonne, es wird schnell einmal warm. Bald folgt eine erste "namenlose Strasse" über welche wir Albertville erreichen. Danach folgt der Col de la Madeleine (1993 M.ü.M.), und der Col du Glandon (1924 M.ü.M.). Bei Notre-Dame-de-Mésage fahren wir auf die Route Napoléon N 85. Nun, wir haben uns etwas mehr versprochen von dieser geschichtsträchtigen Strasse. Zwischendurch welchselt unsere Route auch wieder auf die Route des Grandes Alpes, was durchaus interessanter ist, sofern man Kurven liebt. Hinter Gap geht's dann so richtig los mit dem Slalom. Über verschlungene Strässchen erreichen wir unser Ziel in Selonnet. Dabei passierten wir zuletzt noch den Col des Garcinets (1250 M.ü.M.) und den Col de la Sentinelle (981 M.ü.M.). Es folgt das obligatorische Bierchen im «Le Relais de la Forge». Was uns dann zum Nachtessen serviert wurde, sprengte in dieser Gegend, fernab jeglicher dichteren Besiedlung, unsere Vorstellungskräfte. Mitgeniessen kann man über die Fotogalerie. Der Châteauneuf-du-Pape, Jahrgang 2013 mundete ausgezeichnet. Die nötige Bettschwere war danach eindeutig erreicht. Nachstehend die Tagesetappe:    

312.3 km, 07:13:30

Einer eigentlich kurzen Nacht folgt ein wunderbarer Morgen. Geplant war heute ein Abstecher in Monaco. Zuvor allerdings warteten wiederum ein paar Hügel auf uns. Gleich hinter Selonnet, eine Flickstrecke sondergleichen. Dass die Bikes keine nennenswerte Schäden erlitten und unsere Knochen an ihren Orten verblieben - Glückssache wohl. Statt, dass die Strasse gleich flächendeckend geteert und gesplittet wurde, fanden sich hunderte (!) Flicks, wild über das 3 Meter breite Strässchen verteilt. Jä nu, wir können jetzt auch Split. Der erste Übergang nennt sich Col des Fillys (1322 M.ü.M.), ein nächster Col de Charamel (1242 M.ü.M.). Wir durchfahren einen Teil des Parc national du Mercantour. Superschön! Der Col de la Cayolle (2326 M.ü.M.) ist wieder ein gröberer Berg auf unserem Weg. Geradeaus fahren wir längere Zeit nicht mehr. Es folgt als nächster der Col de la Couillole (1678 M.ü.M.). Zum Glück haben unsere Bikes Seitenständer. Gerade hinstellen wäre nach dieser Kurvenorgie schwierig geworden. Bald aber erblicken wir das Mittelmeer und fahren in Monaco ein. Was für ein Gewusel hier. Hochsaison! Und heiss ist es obendrein. Die Fürstenfamilie haben wir nicht getroffen, obwohl wir ganz offiziell eine Grussadresse der Harley-Friends, Switzerland überbringen wollten. Wir können leben damit. Schwieriger wird allerdings die Hotelsuche. Monaco scheint ausgebucht. Jedenfalls in jenen Kategorien, wo wir suchten...
So setzen wir nochmals Segel und pöttern bis nach Ventimiglia. Daselbst finden wir Unterschlupf im 3-Sterne-Haus «Hotel Bruno». Etwas spät dran, teilt man uns gleich beim Check-In mit, dass das Nachtessen zwischen 19.30 und 20.15 Uhr stattfindet. Wir freuen uns also auf das reichhaltige Buffet, nachdem wir unser Zimmer seitlich des Hotels, neben der Tiefgarageneinfahrt, beziehen. Geräumig ist es jedenfalls und mit vier Betten gibt es auch genügend „Ablagefläche“.
Jetzt eilen wir zum Buffet, es ist kurz vor 20 Uhr. Die Auswahl ist sehr gross und bis auf das Fleisch ist auch alles perfekt zubereitet. Reichlich von allem hat es auch noch, sogar Schwarzwäldertorte fällt zum Dessert noch für uns ab. Das Birra Moretti ist unser Tischwein und das selbe Gebräu hält auch noch für den Schlummi vor dem Zimmereingang hin. Nach dem Studium der WetterApp entscheiden wir, dass am Folgetag Simplon-Dorf erreich werden soll. So hoffen wir, die norditalienische Regendouche zu überlisten. Also: etwas über 400 Km auf dem Programm – gute Nacht… einstweilen.
  

275.3 km, 03:31:47

Am Morgen geniessen wir ein Frühstück bei dem vor allem der exzellente Kaffe herausragt. So fein, das können sie wiederum, die Italiener. Bald schwingen wir uns in den Sattel und fahren nordwärts. Cuneo ist ein erster Fixpunkt und auf dem Weg dorthin passieren wir den Colle di Tenda (1871 M.ü.M.). Petrus noch immer in prächtiger Laune! Dank unseren Einspurfahrzeugen überholen wir mehrere 100 Meter Rot-Licht-Stau und stehen unvermittelt zuvorderst. Die Uhr zeigt: Noch 6 Minuten bis grün. Landschaftlich kommen wir vorerst noch auf unsere Kosten, wir queren den Parc national du Mercantour. Nach Cuneo wird dann das Geläuf flacher und bis nach Turin bestehen die schwierigeren Passagen aus Kreiseln, welche immerhin etwas Schräglage hergeben. Um die Mittagszeit stoppen wir bei einer Bar, welche uns einen formidablen Thonsalat im XL-Format auf den Tisch zaubert. Unter dem Zeltdach lässt es sich aushalten, an der Sonne ist es ziemlich heiss. Nun passieren wir Biella. Anschliessend geht es wieder mit vielen Kurven weiter. Entlang des Ortasee’s kommen wir nochmals in den Genuss von herrlichen Landschaften/Aussichten. Weiter fahren wir über Domodossola und erreichen in zügigem Tempo die Schweizer Grenze vor Gondo. Im Simplon-Dorf freuen wir uns auf ein nettes Hotel. Zu früh, wie wir bald einmal feststellen: Das eine Hotel ist gar geschlossen und die beiden übrigen ausgebucht mit Wandervögeln. Wie kann man nur… Der Hotelier des Hotel Grina weiss aber Rat: Runterfahren nach Brig und eingangs Brig, auf der rechten Seite das «Du Pont» ansteuern. Jänusodenn… Helm auf, weiter geht’s. Nicht mehr ganz so zügig, da diverse Baustellen die Abfahrt einbremsen. Diese Bauerei immer, heinomohl! Schliesslich fahren wir ein und staunen über das Hotel. Sieht wirklich einladend aus, wir freuen uns schon auf ein Bier in der Gartenwirtschaft bei mittlerweilen etwas früschen Temperaturen. Die Chefin des «Du Pont» empfängt uns herzlich und das Abendessen mit netten Cordonbleu’s und einem Cornalin aus dem Barrique Fass rundet eine etwas längere Tagesstrecke ab.

421.6 km, 18:09:52

Beim reichhaltigen Frühstück fällt uns besonders ein Halbhartkäse auf: der Brigerberger. So etwas Feines muss man suchen, oder man fällt so quasi, wie wir, einfach drauf. Ein kühler Start unter blauem Himmel folgt und wir ziehen auf den Grimselpass (2164 M.ü.M.) und weiter über Meiringen auf den Brünig (1008 M.ü.M.) von wo wir den Glaubenbergpass (1543 M.ü.M.) ansteuern. Auf der Abfahrt in Richtung Entlebuch will uns dann ein verirrter Tessiner von der Strasse spicken. Mit etwas Glück können wir uns aber retten. Im Zickzack-Modus steuern wir durch das Mittelland auf schönen Routen nach Hägendorf. Jetzt nochmals obsig nach Langenbruck und über den Chilchzimmersattel (991 M.ü.M.) runter nach Eptingen. Beim Ausrollen in Richtung Stammbeiz in Sissach können wir unsere Tour bereits ein erstes Mal reflektieren: Ca. 20 Pässe (… und ungezählte andere Hügel) auf 1700 Km verteilt und alles bei tollem Wetter. Der Petrus muss ein Töfffahrer sein. Natürlich gibt es in den Französischen Alpen noch ganz viele Pässe, welche wir auf dieser Tour nicht befahren haben. Nur, wollen wir halt auch noch Pläne schmieden können. Ideen gibt’s weiterhin genug. In diesem Sinne: CU – on the road again… 

244.8 km, 00:28:55