21-22.08.2018 - Granite Ride 2018

2018 Granite Ride

Wir fahren Tourenbikes. Deren Tauglichkeit haben wir getestet.

LX las mal etwas, was irgendwie noch spannend tönte: «Let's rock the Alps - 12 Pässe, 1000 Km, 48 Stunden». Dies der Werbespot des Granite Rides. Nach einigen Swiss 500 Miles, sollte es auch mal ein längerer "2-Tages-Event" sein, wo man am Abend auch noch einen lüpfen konnte. Als Mitglied der IG Motorrad wird einem gar das Startgeld erlassen (... welches notabene erst nach Absolvierung des Ride fällig wird). Was will man mehr? Aber sicher: So ganz alleine wollte LX nicht unterwegs sein, so klopfte er die Mitgliederliste ab und fand: Shark. 2 Tourer also, auf grosser Tour. Und so sah der Run insgesamt aus:

1025.1 km, 11:06:18

12 Fixpunkte und ebenso viele Zwischenziele sind anzufahren, man hat die freie Wahl, ob dazwischen per Autobahn "abgekürzt" wird.

Nun, es sollten deutlich mehr wie 1000 Kilometer werden, aber die 48 Stunden wurden trotzdem bei Weitem nicht erreicht. Der Start zuhause, kurz nach 6 Uhr in der Früh, gestaltete sich für Siebenschläfer nicht eben locker. Kurz vor 7 Uhr treffen wir uns auf dem Rastplatz Tenniken, wo das HD-Navi von Shark noch den Track abgespitzt erhielt. Die Route ist also bekannt, sie muss nur noch gefahren werden. Zuerst allerdings noch 147 Km nach Altdorf, wo wir in die Tour einsteigen und kurz nach 8 den ersten Halt auf dem Klausen einlegen. Der Nussgipfel war top, das Wetter ebenfalls.
Wir geniessen die Fahrt über die Wasserfluh nach Appenzell, gefolgt von der Schwägalp. Wer noch nie im Appenzellerland unterwegs war: Unbedingt mal testen. Grandiose Natur verwöhnt die Augen und belebt das Gemüt. Das Rheintal überbrücken wir mit einem Intermezzo auf der Autobahn, bevor wir wieder abfahren zum Flüelapass. Der Julierpass folgt, bevor hinter Thusis die eindrückliche Viamala-Schlucht passiert wird. Hier hätte ebenfalls die Autobahn beschleunigend gewirkt, aber diese Schlucht muss man erlebt haben. Sagenhaft. Wir erklimmen noch den San Bernardino-Pass, bevor wir in Biasca unsere nächtliche Bleibe finden. Nicht unbedingt eine besonders hübsche Location, dafür herzlich-nettes Personal, moderate Preise sowie eine prima Gastronomie. Und: Als Schlummi gibt's sogar einen «Säntis Malt», einen Appenzeller Single Malt. Wären die nächtlichen Temperaturen nicht so arg hoch gewesen, wir hätten wohl prima geschlafen und noch schöner geträumt - von den immerhin planmässig schon zurückgelegten über 600 Km.

Zmörgele um 06.45, gegen 8 Uhr fahren wir weiter, zum Lukmanier hoch. Ein leicht mulmiges Gefühl beschleicht dort LX - Die Alpentour im letzten Jahr wurde just hier aprupt unterbrochen. Heuer sind wir allerdings mit einem Batteriestarter unterwegs, es kann (fast) nix mehr passieren. Gleich danach stehen wir einmal mehr an einer Baustellen-Ampel. Gefühlt 30 solche begleiteten uns über die beiden Tage. Wir schätzten dies aber als kleineres Übel ein, wie es an einem schönen Wochenende 4-Rad-Schleicher auf den Alpenpässen gibt. Weiter gehts über den Oberalp und den Furka. Auf der Abfahrt haben wir dann zwei Schreckmomente: Erst bremst uns ein Idiot (VS) dermassen aus, dass ein Sturz nur ganz knapp vermieden werden kann und dann steht da plötzlich ein weiterer VS-ler mitten auf der Strasse, ohne Bremslicht, ohne Blinker, die Vollbremsung wurde zum Glück in vielen Sicherheitstrainings geübt. Der Ansatz zum Überholen wird jäh unterbrochen, er biegt nach Links in ein kleines Nebensträsschen ab - eben ohne den Blinker zu stellen. Uff! Jetzt haben die VS die AG in meinem Kopf überholt. Immerhin, diese beiden Kantone stellen die Spitze der Statistik von Billet-Entzügen über alle Kategorien. Ich meine: zu Recht!

Im Wallis wirds dann aber auch temperaturmässig brutal. Etwas gekühlt werden wir durch den Fahrtwind, welcher auf der Autobahn bis hinunter nach Aigle genossen wird. Getankt wird auch. Erstaunlicherweise stehen 360 Km auf der Uhr, und noch immer blinkt keine Reserve. Ein währschaftes Mittagessen in Aigle verleiht neuen Schwung, wir schrauben den Col des Mosses hoch, wo wir an einer Auto-Kontrolle der Polizei, mit mindestens 20 Polizisten vorbeifahren. Auf dem Jaunpass dann ein weiser Entscheid zur rechten Zeit: Regenzeugs montieren. Die Abfahrt wird mit zusammengekniffenen Fudibaggen bewältigt, der Verkehr durch das Simmental ist dicht, der folgende Autobahnabschnitt in Richtung Meiringen verkürzt die Reisezeit. Auf dem Sustenpass demontieren wir den Plastik wieder und geniessen die Fahrt nach Altdorf, wo sich die Runde wieder schliesst. Beim Nachtessen beginnt es wieder zu regnen. Wir lassen uns aber nichts mehr anhaben, nehmen die Heimfahrt in Angriff und werden auch in der Gegend Bölchentunnel wieder fein berieselt.

Es war eine weitere, tolle Erfahrung, auch wenn inzwischen viele Strecken zu unserem Grund-Inventar gehören. Ob es eine Fortsetzung gibt im nächsten Jahr? Der Veranstalter wird uns informieren und wer weiss, vielleicht wird auch im 2019 das Sitzfleisch getestet. Dieses Jahr jedenfalls ist es gut gegangen.

Übrigens: bebildert wurde das Ganz auch noch. In diesem Sinne: Wir sehen uns...