4./5.06.2011 - swiss 500 miles

Swiss 500 MilesWenn einer eine Reise tut... Das kennen wir ja schon. Diesmal sollte es (wieder einmal) etwas ganz besonderes sein. Als es noch kühler war im Land und die Sonne später aufstand und eher zu Bett ging, warf unser Vice Tommy mal locker in die Runde: "Ich mäld mi ah bim swiss 500 miles...

 ... chunnt öbber mit?".
Whow! Ich selbst habe wohl schon gehört, dass es diese Prüfung (ursprünglich in Belgien) seit 2008 auch in der Schweiz gibt, aber der Respekt war dann halt schon gross. Was folgte, waren Gespräche am Hock und ein paar E-Mails und schwupps, waren Tommy, Beat und LX angemeldet. Je näher die 24-Stundenfahrt kam, desto intensiver machte man sich schlau, was denn nun Sinn macht, bezüglich Vorbereitung und Durchführung der Maschine und auch des Fahrers. So erhielten wir Empfehlungen und Tips von Norbi (Northwestchapter) und Marco (Basel Chapter), welche beide seit 2008 lückenlos vertreten waren. Schliesslich hatten wir, jeder für sich, seine Variante zur Befestigung des Road-Books sowie der Lichtquelle durch die Nacht gefunden und der 4. Juni rückte plötzlich mit Riesenschritten herbei. Am Vorabend des Starts, am Hock in Kaiseraugst, sind die Maschinen von Tommy und LX bereits vorbereitet und eine gewisse Nervosität liegt in der Luft. So geht beinahe der Geburri von Max unter und so richtig in Festlaune sind nicht wirklich alle (...).
Samstag, um 11 Uhr treffen wir uns auf dem Parkplatz bei der Autobahnauffahrt in Rheinfelden. Die ersten Kilometer des Tages fahren wir zum Harley-Heaven in Dietikon, wo die Registrierung vorgenommen, der Plastiksack mit T-Shirt, Milchschnitte (bei den Temperaturen!) und weiteren Goodies entgegen genommen werden. Und, das Roadbook für die erste Teilstrecke (Prolog, 62 Km nach Sempach) wird ausgehändigt. Die Anweisungen sind klar und auch für ältere Augen tauglich (14 Pkt.) aufgeschrieben. So fahren wir unsere ersten Meilen auf der langen Reise. Immer mal wieder trifft man Harleyaner und Harleyanerinnen und plötzlich ist auch jeglicher Stress wie weggeblasen = Es funktioniert alles bestens. In Sempach treffen sich dann über 400 Begeisterte der Amerikanischen Eisen und erhalten letzte Informationen. Dann wird's hektisch. Alle zusammen wollen los und auf den folgenden Meilen ist das Getümmel einigermassen gross. Vor allem vor geschlossenen Bahnschranken und vor Baustellensignalen. Vom Strassenrand winken grosse und kleine Hände fröhlich zu und geben zusätzlichen Schub, das Vorhaben erfolgreich zu gestalten.
Am ersten Posten - wir haben nun schon 131 Km hinter uns gebracht - herrscht ein heilloses Durcheinander und die Warteschlange um den notwendigen Kontrollstempel im Roadbook sowie die nächste Etappenbeschreibung zu erhalten ist lang, etwas sehr lang und zudem stehen wir in der schön warmen Sonne. Weiter geht's nach Boltigen im Simmental und erste Regentropfen fallen vom Himmel. Kein Grund allerdings um das Regenzeugs zu montieren, schliesslich zeigt der Blick nach oben auch noch ein paar blaue Löcher. Weiter, über den Jaunpass geht's nach Châtillens, wo unsere Uhren bei ca. 20.30 Uhr stehen. Nur schnell mal den Stempel abholen und sofort weiter. Über dem Welschland braut sich was zusammen: Zuerst gibt's Windböen, dass es einem beinahe aus dem Sattel bläst und schon bald fallen Tropfen der dickeren Sorte vom Himmel. Nur, anhalten und Regenzeug montieren geht nun nicht mehr so gut, weil jegliche Unterstellmöglichkeit fehlt. Weit und breit. Schliesslich - wir sind ziemlich gut geduscht - erkennen wir bei einer Post eine gedeckte Postfachanlage, welche Witterungsschutz für Mann und Maschine bietet. Jetzt wird trocken gelegt und Regenzeug montiert und Beat meint trocken: "Meine Hose ist wohl doch nicht so wasserdicht, wie sie mir angepriesen wurde". Es ist nun viertel nach Neun und es schifft, was es her gibt. Zeit also, für's Nachtessen. In einer Pizzeria machen wir Halt und futtern. Wir hatten Glück! Eine Gruppe, welche kurz vor 22 Uhr ankam, wurde, für's Welschland wohl eher ungewöhnlich, weitergeschickt, mit dem Hinweis, dass die Küche geputzt sei. Ufff... Glück gehabt, und mit vollem Speicher gings weiter durch die feuchte Nacht. In Montricher der nächste Stop, bevor wir weiter pöttern zur Schweizerisch-Französischen Grenze nach Cure. Dort treffen wir am Kontrollposten freundliche Polizisten, welche alle Angaben des Veranstalters wollen und darauf hinweisen, dass der "Lärm" mitten in der Nacht nicht nur Begeisterungsstürme auslöst. Tja - für die einen ist es Lärm, für uns eher der schönste Sound, den wir uns vorstellen können. Und müde ist noch niemand, ringsum zufriedene, glückliche Gesichter. Es ist Mitternacht und 375 Km sind gefahren. Auf der Weiterfahrt dann ein Phänomen, welches wir bei der Vorbereitung nicht mit einkalkuliert hatten: Die grosse Windschutzscheibe von Tommy's Softail beschlägt innen und aussen dauernd, sodass immer mal wieder ein kurzer Halt notwendig wird, um die Scheibe zu putzen. Alternativ fährt Tommy halt leicht schräg sitzend und an der Scheibe vorbei nach vorne schauend. Wie wenn es nicht schon genug schwierig ist, in stockdunkler Nacht bei Nieselregen auf Nebenstrassen die Pace zu halten. Im weiteren Verlauf der Nacht passieren wir bei 5 Grad Kälte, gemäss Anzeige an einer Tankstelle, Les Rochats (461 Km). In der Gegend St-Aubin, Gorgier, Bevaix verlieren wir kurz unsere Orientierung und müssen ein paar Mal «kreisen». Schliesslich haben wir die Route wieder und steuern Cernier bei Kilometer 501 an. Nun erwacht so langsam der nächste Tag und es ist ein ganz spezielles Erlebnis, die ersten Sonnenstrahlen über den Nebel verhangenen Jurahöhen im Gesicht zu spüren. Bevor wir Courgenay erreichen halten wir in St. Ursanne und geniessen ein prima Frühstück. In Metzerlen werden wir bei Kilometer 687 kontrolliert und das Ziel vor Augen sind wir hellwach um anschliessend das schöne Baselbiet über den Gempen via Hersberg, Wintersingen, Rickenbach, Buus, Hemmiken, Rothenfluh in Richtung Wittnau zu queren. Der letzte Posten in Mönthal bringt uns schon mal in eine richtig euphorische Stimmung bevor Bülach nach 810 gefahrenen Kilometern zielsicher erreicht wird. Die Tachokontrolle ergab dann 847 Kilometer, als Resultat, womit die Streckensuche im Jura erklärt ist. Der Pin, das Volksfest am Ziel mit guter Live-Musik und einem feinen Mittagessen entschädigt für eine Fahrt, welche uns noch lange in Erinnerung bleibt. Ob da etwa schon ein wenig Vorfreude auf's nächste Jahr mitschwingt? Wir werden sehn. Vorerst ist erst mal schlafen angesagt! Bilder hat's in der Galerie!